Ashton Embry: MS Drugs don't work (Übersetzung)

Forum zur venösen MS/CCSVI. Themen z.B. "wie hat mein Neurologe reagiert", "kann an Studien teilgenommen werden", "was sind die Resultate meiner Venographie", "wie handle ich jetzt", ...

Ashton Embry: MS Drugs don't work (Übersetzung)

Beitragvon cah » Fr 16. Jul 2010, 11:38

Hallo, damits nicht im DMSG-Forum verloren geht, kopier ich hier mal die Übersetzung von Thorsten nebst seinem Vorwort rein. Danke, Thorsten!

Original: http://www.direct-ms.org/magazines/Embry%20MS%20Drugs%20Don%27t%20Work%2007%2010.pdf

Original-Übersetzung: http://www.dmsg.de/multiple-sklerose-forum/index.php?w3pid=msforum&kategorie=forum&tnr=8&mnr=119420

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Thorsten hat geschrieben:Embry analysiert drei Studien und kommt zu dem Schluss, dass die aktuellen MS-Medikamente die Behinderungsprogression (also den Fortschritt hin zu einem bestimmten Behinderungsgrad wie etwas EDSS 6) nicht verlangsamen. Mit anderen Worten: Egal ob man eine Basistherapie macht oder nicht – man landet in beiden Fällen ungefähr gleich schnell im Rollstuhl. Allenfalls können die MS-Medikamente etwas die Anzahl der Schübe reduzieren. Im Artikel wird die Basistherapie an einer Stelle mit "Schlangenöl" (engl.: snake oil) verglichen. Dieser Begriff wird im Englischen oft als Synonym für eine nutzlose Quacksalber-Therapie verwendet (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Schlangen%C3%B6l ).


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Neue Studien zeigen, dass die MS-Medikamente die Progression nicht verlangsamen
Ashton Embry, 7. Juli 2010

Vor fünf Jahren schrieb ich eine Kolumne für das "New Pathways" Magazin über den Nutzen der üblicherweise eingesetzten CRAB-Medikamente (Copaxone, Rebif, Avonex und Betaseron). Sie basierte auf veröffentlichten Einschätzungen der Cochrane-Gesellschaft, einer Organisation, die frei von dem Einfluss von Pharmaunternehmen ist. Auf der Grundlage ihrer objektiven Analysen war meine unausweichliche Schlussfolgerung, dass "die verfügbaren Daten über die Wirksamkeit der MS-Medikamente den Schluss nahe legen, dass es sehr wenig Hinweise dafür gibt, dass die Interferone viel Gutes bewirken und dass es keinerlei Belege dafür gibt, dass Copaxone irgendeinen Nutzen hat".

Es war keine Überraschung, dass diese Schlussfolgerung bei vielen Leuten, die diese Medikamente einnahmen, nicht gut an kam und sie wurde (genau wie die Cochrane-Analysen) von den Neurologen komplett ignoriert, welche im Verlauf der vergangenen fünf Jahre diese Medikamente so schnell wie nur irgend möglich verschrieben hatten. Die jährlichen Umsätze bei MS-Medikamenten sind dabei, sich der 10-Milliarden-Dollar-Marke zu nähern, zur vollsten Zufriedenheit sowohl der Pharmaunternehmen, die sie produzieren, als auch der Neurologen und MS-Gesellschaften, die umfangreiche finanzielle Vorteile und Sachleistungen von diesen Pharmaunternehmen erhalten.

Ich muss anmerken, dass ich in meinem Artikel aus dem Jahre 2005 den Vorbehalt äußerte, dass "zukünftige korrekte Studien und eine offene Darstellung dieser Studien eines Tages zeigen könnten, dass diese Medikamente einen Wert haben". Die gute Nachricht ist, dass wir nunmehr drei, komplett unabhängige Studien haben, die den Nutzen der CRAB-Medikamente im Hinblick auf eine langfristige Verlangsamung der Behinderungsprogression untersuchen.

Ich muss betonen, dass das einzig wahre Maß der Wirksamkeit eines MS-Medikamentes die Art und Weise ist, wie es die MS-Progression verlangsamt. Da MS sich sehr langsam entwickelt, braucht es leider viele Jahre, bis die Wirksamkeit eines Medikamentes richtig eingeschätzt werden kann und daher haben wir erst heute gute Daten darüber, ob die CRAB-Medikamente wirksam sind oder nicht.

Die klinischen Studien, in denen die Medikamente getestet wurden und die zu ihrer Zulassung geführt haben, hatten lediglich eine Dauer von zwei Jahren und es war unmöglich in einem so kurzen Zeitraum zu beurteilen, ob die Medikamente eine Wirkung auf die Behinderungsprogression haben. Stattdessen verwendeten die Forscher die Schubrate und mittels Kernspin festgestellte Veränderungen an Läsionen, um die Wirksamkeit der Medikamente einzuschätzen. Es wurde einfach angenommen, dass diese zwei Variablen zulässige "Stellvertreter" für die Krankheitsprogression darstellen, obwohl die Forscher keine harten Beweise hatten, die eine solche Annahme unterstützt hätten.

Bemerkenswerterweise haben nachfolgende Studien gezeigt, dass keiner der beiden angewendeten Stellvertreter-Kriterien mit der Behinderungsprogression in Beziehung steht. Somit ist klar, dass die Medikamente auf Grundlage fehlerhafter Annahmen zugelassen wurden. Wegen dieser falschen Annahmen, sagen die Daten der klinischen CRAB-Studien nichts darüber aus, ob die Medikamente irgendeine reale Wirkung haben oder ob sie letztlich nicht besser sind, als das sprichwörtliche Schlangenöl.

Um herauszufinden, ob die CRABs tatsächlich besser sind als Schlangenöl, müssen wir die Ergebnisse der drei zuvor genannten Studien betrachten, welche direkt der Frage der Wirksamkeit der CRAB-Medikamente für eine Verlangsamung der Behinderungszunahme nachgehen. Die Studie von Boggild et al (2009) verglich die Behinderungsprogression von über 3000 britischen MS-Patienten, welche im Jahr 2002 damit begonnen hatten, die CRAB-Medikamente zu nehmen mit der bekannten natürlichen Progression unbehandelter Patienten.

Diese Studie wurde durchgeführt, um zu entscheiden, ob der britische National Health Service einen angemessenen Nutzen aus den hohen Kosten der Medikamente zieht. Die wesentliche Feststellung dieser Studie ist: "Die bis jetzt erzielten Ergebnisse in der vorgegebenen primären Analyse legen nahe, dass alle krankheitsmodifizierenden Behandlungen nicht in der Lage waren, die Krankheitsprogression hinauszuzögern". Tatsächlich ergab sich, dass "die Krankheitsprogression schlechter war, als in der unbehandelten Kontrollgruppe", obwohl angemerkt werden muss, dass der Unterschied zwischen den beiden Gruppen nicht statistisch signifikant war.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie, die in Nova Scotia, Kanada durchgeführt wurde (Veugelers et al, 2009), betrachtete die Wirksamkeit der CRAB-Medikamente auf Grundlage von Zahlenmaterial von 1752 Patienten. Dies wurde dadurch erreicht, dass man die Zeit untersuchte, die es brauchte, um einen Behinderungsgrad von EDSS 6 (Stock erforderlich) zu erreichen und zwar sowohl für unbehandelte Personen als auch für solche, die eines der CRAB-Medikamente bekamen. Sie fanden heraus, dass unbehandelte Personen 14,4 Jahre mit einem 95%-Konfidenzintervall von 12-17,4 Jahren benötigten, wo hingegen die behandelten Patienten EDSS 6 nach 18,5 Jahren erreichten mit einem 95%-Konfidenzintervall von 15,9 bis 21,9 Jahren.

Die Autoren posaunten dieses Ergebnis heraus als Beweis, dass die CRABs tatsächlich die Progression verlangsamen, aber leider scheint ihnen die Bedeutung von Konfidenzintervallen bei statistischen Ergebnissen entgangen zu sein. Da die 95%-Konfidenzintervalle der zwei Ergebnisse überlappen, heißt dies, dass kein echter statistischer Unterschied zwischen den beiden Ergebnissen existiert und daher zeigen ihre Zahlen tatsächlich, dass die Medikamente keine statistisch signifikante Wirkung auf die Progression haben.

Die dritte Studie von Ebers et al (im Druck) ergänzt sehr schön die beiden anderen Studien, indem sie einen Vergleich zieht zwischen den aktuellen klinischen Ergebnissen von 181 Patienten, die während der ursprünglichen, vor 16 Jahren durchgeführten Betaseron-Studie Betaseron bekamen und 79 Personen, die in der gleichen Studie Placebo erhielten. Die wesentliche Feststellung war: "Bei Verwendung von Standard-Behinderungskriterien, war im Ergebnis kein Unterschied zwischen den beiden ursprünglichen randomisierten Gruppen erkennbar".

Wenn man tiefer in die Zahlen einsteigt, findet man Ergebnisse wie etwa dass jeder Patient EDSS 6 nach ungefähr der gleichen Zeit erreichte (12,8 bis 16,1 Jahre). Dieser Befund ist wichtig, da diese Werte sehr nahe an denen der Veugelers et al Studie liegen. Außerdem bedeutsam ist die Erkenntnis, dass in den letzten 16 Jahren 38,6% der unbehandelten Patienten (diejenigen, die Betaseron weniger als 10% der Zeit bekamen) EDSS 6 erreichten. Im Vergleich dazu erreichten im gleichen Zeitraum 35,7% der behandelten Patienten (diejenigen, die Betaseron über 80% der Zeit bekamen) EDSS 6. Wiederum wurde kein signifikanter statistischer Unterschied festgestellt. Somit können wir mit einiger Zuversicht sagen, dass die Verwendung von Betaseron über einen Zeitraum von 16 Jahren die Chance, in diesem Zeitraum in Richtung EDSS 6 abzugleiten, nicht verringert.

Da die Ergebnisse einer einzelnen Studie, aufgrund von Unzulänglichkeiten des Designs oder der Datenerfassung, immer in Frage gestellt werden können, ist es wichtig, dass wir nunmehr drei unabhängige Studien haben, welche die Wirksamkeit der CRAB-Medikamente in leicht unterschiedlicher Weise betrachten. Bemerkenswert ist, dass alle drei Studien eindringlich zeigen, dass die CRABs keine statistisch signifikante Wirkung auf die langfristige Behinderungsprogression haben.

Wenn man bedenkt, dass drei unterschiedliche und recht rigorose Studien das gleiche Ergebnis lieferten, besteht nun kein vernünftiger Zweifel mehr daran, dass die CRAB-Medikamente nicht funktionieren. Wir können daher sagen, dass die CRABs tatsächlich nicht wirksamer sind als Schlangenöl. Mir ist klar, dass dies für viele MS-Patienten, die gehofft hatten, dass die Medikamente ihre Verschlechterung bremsen könnten, etwas entmutigend sein muss. Allerdings wissen wir jetzt, dass die Medikamente die Talfahrt nicht verlangsamen und MS-Patienten können bezüglich ihrer Verwendung eine rationale, auf wissenschaftlichen Fakten beruhende Entscheidung treffen.

Es ist schwer, die Tatsache zu übersehen, dass die gleichen Neurologen, die uneingeschränkt Medikamente verschrieben haben, die eindeutig nicht wirken, nun diejenigen sind, die ihre Patienten davor warnen, ein bekanntes und ernstes pathologisches Problem anzugehen, das gemeinhin mit MS in Verbindung steht - gestörter venöser Abfluss aus dem Gehirn. Was dies noch schlimmer macht, ist der Umstand, dass die Angioplastie-Behandlung, die sicher und wirksam das Problem behebt und die sehr offensichtliche (oft spektakuläre) positive Wirkungen für fast jeden der mehr als 1500 Menschen gebracht hat, die sie haben machen lassen, den MS-Patienten vorenthalten wird.

Aus meiner Sicht ist etwas furchtbar schief gelaufen bei der Art und Weise wie MS-Patienten durch Neurologen behandelt werden. Unwirksame Medikamente werden gepusht und eine potentiell sehr hilfreiche Behandlungsform wird unterdrückt und verunglimpft. Ich vermute, dass wenn sich der Rauch schließlich verzogen hat und die Vernunft wieder einkehrt, dass man feststellen wird, dass monetäre Faktoren und nicht gesundheitliche Anliegen hinter dieser unschönen und inakzeptablen Situation stecken.


REFERENZEN:
Boggild M, Palace J, Barton P, Ben-Shlomo Y, Bregenzer T, Dobson C, Gray R., Multiple sclerosis risk sharing scheme: two year results of clinical cohort study with historical comparator. BMJ. 2009, 9 Seiten.

Ebers, G, Traboulsee A, Li D, et al., Analysis of clinical outcomes according to original treatment groups 16 years after the pivotal IFNB-1b trial. J Neurol Neurosurg Psychiatry, in press, 6 Seiten.

Veugelers PJ, Fisk JD, Brown MG, Stadnyk K, Sketris IS, Murray TJ, Bhan V., Disease progression among multiple sclerosis patients before and during a disease-modifying drug program: a longitudinal population-based evaluation. Mult Scler. 2009 Nov;15(11):1286-94.
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