Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft hat am 17. Nov. 2009 eine News Meldung über die venöse Multiple Sklerose (CCSVI) veröffentlicht.
Die News Meldung ist überraschenderweise nicht offen und neugierig gegenüber der Hypothese der venösen Multiple Sklerose formuliert, sondern sie enthält Fehler und fasst den derzeitigen wissenschaftlichen Stand nur unvollständig zusammen!
Multiple Sklerose wurde 1868 das erste Mal von J. Charcot beschrieben und wird seither erforscht. Keine Ursachenhypothese konnte bisher wissenschaftlich hinreichend bestätigt werden.
17.11.09: CCSVI: Theorie der venösen MS
Hier einige Erläuterungen zu dieser Stellungnahme:Die Theorie der so genannten „chronischen cerebrospinalen venösen Insuffizienz“ (CCSVI), ist noch sehr umstritten.
Die Autoren verfolgen die Annahme, dass eine durch eine angeborene Missbildung bedingte Störung des venösen Abflusses in den grossen Halsvenen zur Entstehung der MS beiträgt.
Diese Annahme konnte bisher nicht bestätigt werden.
Das Interesse, dass Venen an der Entstehung der MS beteiligt sein könnten, stützt sich einerseits auf neuropathologische Studien, andererseits auf neuere Beobachtungen mit Hochfeld-MRT-Geräten, die eine Häufung von MS-Herden um kleine Venen herum zeigen. Diese Beobachtungen stützen aber nicht die Annahme einer Beteiligung der grossen Venen ...
... und schon gar nicht die Richtigkeit von therapeutischen Eingriffen an diesen Venen.
Eine von Paolo Zamboni (Bologna) vorgestellte Studie zu diesen Eingriffen bei MS-Betroffenen erfüllt leider nicht die erforderlichen methodologischen Standards.
In der Schweiz gibt es hierzu keine Studien.
Darauf hin bekam dieser Patient Ende Oktober die Antwort CCVSI: Sind Venen an der Entstehung der MS beteiligt? Die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft hat nun exakt diese Antwort in eine Newsmeldung umgewandelt!Ich habe von der venösen MS Hypothese, die unter dem Namen CCSVI unter der Führung von Prof. Zamboni erforscht wird, gehört und hier nichts gefunden. Mich würde interessieren was davon zu halten ist und ob es auch Studien in der Schweiz gibt. http://www.fondazionehilarescere.org http://www.fondazionehilarescere.org/cst/eng/090908/1_CSTgenerale_8sett09_eng.doc Besten Dank im Voraus!
Prof. Dr. med. Ludwig Kappos ist im Vorstand der Schweizerischen Multiple Sklerose Gesellschaft und Präsident des Wissenschaftlichen Beirates.
Update 17.12.2009:
Der Titel der Stellungnahme wurde etwa einen Monat nach der fehlerhaften Veröffentlichung korrigiert.
17.11.09: CCSVI: Theorie der venösen MS
Das PDF mit der Stellungnahme ist aber nicht mehr abrufbar.
Archivkopie der Stellungnahme: CCVSI: Theorie der venösen MS
Update 18.12.2009:
Das PDF ist wieder abrufbar.
Update 11.04.2010:
Dr. Kappos steht in Interessenskonflikten zu seiner wissenschaftlichen Arbeit.
Interessenkonflikte (gemäss den Regeln des renommierten medizinischen Journals New England Journal of Medicine):
Dr. Kappos, in Diensten stehend als Berater oder Mitglied oder Vorsitzender eines Lenkungsausschusses oder Daten- und Sicherheitsüberwachungsausschusses, oder Beratungsausschusses einer klinischen Studie gesponsort von Accorda, Actelion, Allergan, Allozyne, Bayer Schering, Biogen Idec, Biogen-Dompé, Boehringer Ingelheim, Genmab, GlaxoSmithKline, MediciNova, Merck Serono, Novartis, Roche, Sanofi-Aventis, Santhera, Teva Pharmaceuticals, UCB Pharma und Wyeth,
Vortragshonorare erhaltend von Biogen Idec, Helvea, GlaxoSmithKline, Mediservice and Merck Serono und Forschungsunterstützung erhaltend von Bayer Schering, Biogen Idec, CSL Behring, Genmab, Genzyme, GlaxoSmithKline, MediciNova, Merck Serono, Novartis, Novartis Foundation, Roche, Santhera, Sanofi-Aventis und UCB Pharma.
Quelle: Cohen JA, Kappos L et al: The New England Journal of Medicine 2010 Jan 20. PMID 20089954.
Um die Transparenz zu erhöhen wurde seine Stellungnahme deshalb um die Interessenskonflikte ergänzt:
Ergänztes PDF mit Interessenkonflikten
Interessenskonflikte sind leider in der medizinischen Forschung keine Ausnahme. Wer sich mehr mit dem Thema befassen möchte, dem seien die folgenden Links empfohlen: Publikationen zu Interessenskonflikten und Transparenz in der medizinischen Forschung und der Medizin.
Update: 25.06.2010
Das Statement ist nach wie vor fehlerhaft: Paolo Zamboni arbeitet nicht in Bologna, sondern in Ferrara.
Was leicht zu verifizieren ist: J Neurol Neurosurg Psychiatry 2009
Dies wurde Mitte Mai der MS-Gesellschaft mitgeteilt.