Bologna Konferenz 8. Sept. Pressemeldung (Deutsch)

PRESSEMITTEILUNG
Bologna, Dienstag, 8. September 2009
FONDAZIONE HILARESCERE
Venöse Funktion und Multiple Sklerose
Internationales Symposium

Vier Hauptpunkte, die die Beziehung zwischen CCSVI und Multipler Sklerose betreffen wurden von verschiedenen Experten auf einer Tagung in Bologna behandelt. Die Forschungen, die eine Antwort auf diese vier grundlegenden Punkte gaben wurde von Prof. Paolo Zamboni koordiniert, der CCSVI und die Verbindung mit Multipler Sklerose entdeckte; in einigen Fällen wurde die Forschung in Kooperation zwischen Prof. Zamboni und bedeutenden ausländischen Universitäten durchgeführt.

1. Was ist der Ursprung der extracranialen cerebralen Venenstenosen, die CCSVI charakterisieren?
2. Gibt es fortgeschrittene diagnostische Möglichkeiten, die im Stande sind die von CCSVI verursachten Veränderungen im zentralen Nervensystem kenntlich zu machen?
3. Kann CCSVI behandelt werden und wenn ja, wie?
4. Kann eine CCSVI Behandlung den klinischen Verlauf der MS verbessern und wie wird die Prognose beeinflusst?

"Venous Function And Multiple Sclerosis" ist ein Symposium internationaler Experten, die sich am 8. September 2009 in Bologna trafen, um diese Fragen aus Sicht der Neurologen - die die wissenschaftlichen Grundlagen über die MS entwickelt haben - und der Gefäß- und Neurochirurgen, die diese Themen nach der Entdeckung der CCSVI weiter verfolgt haben, zu diskutieren. Alle Forschungen wurden durch den Entdecker der CCSVI und ihrer Verbindung zur Multiplen Sklerose, Prof. Paolo Zamboni, koordiniert.

Diese erste Studie wurde von einem italienischen Forscherteam ausgeführt, das sich aus einer Gruppe Gefäßchirurgen, die von Prof. Paolo Zamboni, Universität Ferrara, angeleitet wurden, und einigen Neurologen der Abteilung für Neurowissenschaften des Bellaria Hospitals in Bologna, geführt von Dr. Fabrizio Salvi, zusammensetzte.

"Fondazione Hilarescere" ist eine Stiftung, die gegründet wurde um angemessene Hilfsmittel und Ressourcen für die Forschung an medizinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen bereitzustellen, die darauf abzielen, Krankheiten zu verstehen und zu heilen, die bisher noch nicht vollständig erklärbar sind.

"Fondazione Hilarescere", geleitet von Prof. Fabio Roversi-Monaco, wurde gegründet auf Initiative der "Fondazione Cassa di Rispario in Bologna".

Die wichtigste Antwort zuerst:
Die Endovaskuläre Therapie führte zu einer Verringerung der Krankheitsschübe, einer merklichen Reduktion der Anzahl von aktiven Gehirn- und Rückenmarksläsionen und einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität der Patienten.

Prof. Paolo Zamboni leitete eine Studie in der er zusammen mit Dr. Fabrizio Salvi zeigen konnte, dass bei Patienten mit schubförmig-remittierender MS - der häufigsten Form - es zu einer Abnahme der aktiven Läsionen kam, die über 18 Monate hinweg anhielt. Der Prozentsatz der aktiven Läsionen fiel von 50% auf 12% und zeigt damit, das die Behandlung der CCSVI die Aggressivität der Krankheit reduziert. Dieser Befund wurde weiter bestätigt durch die Anzahl der Patienten, die nach dem Eingriff schubfrei blieben. In den zwei Jahren vor der Behandlung wurden akute MS-Schübe bei 50% der einbezogenen Patienten festgestellt, während in den zwei Jahren nach dem Eingriff 73% der Patienten keine weiteren Schübe hatten und sich der klinische Verlauf ihrer Erkrankung änderte. Bei all diesen Patienten haben sich auch kognitive und motorische Beeinträchtigungen - gemessen durch eine MSFC genannte Skala - wesentlich und dauerhaft verbessert, während das bei Patienten mit progressivem Krankheitsverlauf nicht der Fall war. Bei diesen wurde jedoch die Progression gestoppt und die Lebensqualität verbessert.

Die Experten diskutierten und beantworteten alle vier entscheidenden Fragen und legten Datenmaterial vor:

1. Was ist die Ursache der extracraniellen cerebralen Venenstenosen, die die CCSVI charakterisieren?

Drei Wissenschaftler beantworteten diese Frage aus verschiedenen Blickwinkeln: Prof. Byung B. Lee, medizinische Universität Georgetown, Washington D.C., zeigte dass die Missbildungen die bei der CCSVI gefunden wurden angeborene trunculare Fehlbildungen sind, die definitiv dem Ausbruch der MS vorangehen. Daher können sie keine Folge der MS sein. Prof. Lee zeigte in welcher Phase die bei der CCSVI beobachteten Missbildungen auftreten können. Prof. Byung B. Lee ist der Vorsitzende der "World Consensus Conference", die Gefäßspezialisten aus 47 Ländern vereint und kürzlich eine aktualisierte Darstellung der venöse Fehlbildungen in Montecarlo vorstellte. (1)

Prof. Giulio Gabbiani, Centre Médical Universitaire di Geneva demonstrierte, dass es keine autoimmunen Vorgänge in den erkrankten Venen gibt und daher ausgeschlossen ist, dass die Missbildungen aufgrund der MS entstehen. Er präsentierte die Ergebnisse einer Studie die einen histologischen Vergleich zwischen den Wänden der Venen von CCSVI-MS Patienten und gesunden Personen zieht. Auf molekularer Ebene unterscheiden sich CCSVI-Venen in ihrer Struktur von denen gesunder Probanden. Dies bestätigt den Ansatz der Montecarlo Consensus Conference. Prof. Gabbiani ist weltweit einer der wichtigsten Experten für die mikroskopische Struktur von Venenwänden. (2)

Bei der dritten Präsentation ging es darum, ob diese Missbildungen generell eine Verbindung zu den Ergebnissen genetischer Studien über die MS aufweisen. Prof. Alessandra Ferlini, Direktor des Instituts für Genetik der Universität Ferrara, behandelte diesen Punkt durch die Vorstellung der vielversprechenden Ergebnisse einer Pilotstudie. (3)

2. Gibt es hochentwickelte diagnostische Möglichkeiten, um die Veränderungen des zentralen Nervensystems verursacht durch die CCSVI zu erkennen?

Prof. Mark Haacke, Leiter des MRI Instituts für biomedizinische Forschungen in Detroit (4,5,6) und Prof. Bianca Weinstock-Guttman, Neurologin am Jacobs Neurological Institute (7) zeigte neue Parameter der Kernspintomografie (MRI), die mit der CCSVI in Verbindung stehen und in der Zukunft zu einem wirklichen Umbruch in der Diagnose der MS führen könnten. Diese Parameter beinhalten die Mengenerfassung von Eisenablagerungen und Volumenvermessung der intrakraniellem Venen und des Liquor.

3. Kann die CCSVI behandelt werden und wie?

Innovative, minimal-invasive endovaskuläre Behandlungsmethoden wurden diskutiert auf Grundlage der Ergebnisse von Dr. Roberto Galeotti (8), Leiter der interventionellen Radiologie des Universitätskrankenhauses Ferrara, der als erster diese Operation durchgeführt hat, und Dr. Michael Dake, Chef der Abteilung interventionelle Radiologie der medizinischen Universität Stanford, Kalifornien, der als erster die CCSVI außerhalb Italiens behandelt hat.

Das wichtigste Ergebnis ist Sicherheit. Bei der Nachuntersuchung nach zwei Jahren wurden keine größeren Komplikationen festgestellt. Alle operativen Behandlungen wurden in einem Ein-Tages-Klinikaufenthalt durchgeführt. Statistisch vermindert diese Behandlung in höchst bedeutungsvollem Maß den Druck in den zerebralen Venen und zeigt dadurch sein enormes anti-entzündliches Potential.(8)

Das Risiko einer Restenose ist 16 mal höher in der Vena jugularis als in der Vena azygos, deshalb sind fortgeschrittenere und effizientere Mittel und Wege nötig, um die erstgenannte zu behandeln. Durch Forschung werden diese Instrumente 2010 zur Verfügung stehen.

4. Die wichtigste Frage: Kann die CCSVI-Therapie den klinischen Zustand einer MS und ihre Prognose verbessern?

Dr. Fabrizio Salvi vom Bellaria Hospital in Bologna war der erste Neurologe, der zusammen mit Prof. Zamboni die klinischen Zusammenhänge der CCSVI-Behandlung bei MS-Patienten untersucht hat. Es wurden 120 Patienten mit allen Krankheitsverläufen in diese Studie eingeschlossen, jedoch wird der Bericht nur die Ergebnisse von 65 Patienten enthalten, deren Operation länger als 18 Monate zurück liegt, um die Ergebnisse mit größtmöglicher Genauigkeit beschreiben zu können. Generell zeigten die behandelten Patienten eine verminderte Anzahl von Krankheitsschüben, eine merkliche Reduktion der Anzahl von aktiven Hirn- und Rückenmarksläsionen und darüber hinaus eine wesentliche Verbesserung ihrer Lebensqualität. Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden in Kürze detailliert im Journal of Vascular Surgery veröffentlicht.

Zum Schluss besprach Dr. Robert Zivadinov vom Jacobs Neurological Institute in Buffalo die Ergebnisse einer revolutionären Pilot-Studie die im letzten Jahr durchgeführt wurde. In dieser wurden geblindet sowohl amerikanische als auch italienische Patienten wegen der dort verfügbaren hochentwickelten MRI-Technik untersucht und dann in Italien vaskulär behandelt sowie im Folgejahr nachuntersucht.

Die Studie wurde von den freiwilligen Teilnehmern "Die Studie der 50.000 Meilen für die Behandlung" getauft, da sie so viele Überseeflüge absolvieren mussten. Die Studie wurde von der Fondazione Hilarescere finanziert.

Quellen
(1) World Consensus Conference on Venous Malformations, Montecarlo September 4th 2009. This document was approved by experts from 47 different countries and will be published on all most important vascular surgery journals.
(2) G. Gabbiani, M. Coen, F. Mascoli, P. Zamboni. Manuscript in preparation.
(3) A. Ferlini, M. Bovolenta, M. Neri, F. Gualandi, A.Yuryev, F. Salvi, A. Liboni and P. Zamboni. Manuscript in preparation.
(4) Haacke EM, Makki M, Ge Y, Maheshwari M, Sehgal V, Hu J, Selvan M, Wu Z, Latif Z, Xuan Y, Khan O, Garbern J, Grossman RI. Characterizing iron deposition in multiple sclerosis lesions using susceptibility weighted imaging. J Magn Reson Imaging. 2009;29:537-44.
(5) A. V. Singh and P. Zamboni Anomalous venous blood flow and iron deposition in multiple sclerosis. J Cereb Blood Flow Metab. 2009 Sep 2. [Epub ahead of print]
(6) P. Zamboni, E. Menegatti, B. Weinstock-Guttman, C. Schirda, J. L. Cox, A. M. Malagoni, D. Hojnacki, C. Kennedy, E. Carl, M. G. Dwyer, N. Bergsland, R. Galeotti, Sara Hussein, I. Bartolomei, F. Salvi, R. Zivadinov. The severity of altered venous haemodynamics is related to CSF dynamics in chronic cerebrospinal venous insufficiency Submitted To Current Neurovascular Research
(7) P. Zamboni, E. Menegatti, B. Weinstock-Guttman, C. Schirda, J. L. Cox, A. M Malagoni, D. Hojnacki, C. Kennedy, M. G. Dwyer, N. Bergsland, R. Galeotti, I. Bartolomei, F. Salvi, M. Ramanathan, R. Zivadinov. Csf flow and brain volume in multiple sclerosis are associated with altered cerebral venous doppler haemodynamics. Study presented at the European Multiple Sclerosis Congress ECTRIMS Düsseldorf, 9-12 September 2009
(8) P. Zamboni, R. Galeotti; E. Menegatti; A. M. Malagoni, S. Gianesini, I. Bartolomei, F. Mascoli, F. Salvi Endovascular treatment of chronic cerebrospinal venous insufficency. A prospective opern-label study. Journal of Vascular Surgery, 2009, in press.
(9) P. Zamboni, R. Galeotti, B. Weinstock-Guttman, G. Cutter, E. Menegatti, A. M. Malagoni, D. Hojnacki, J. L. Cox, C. Kennedy, I. Bartolomei, F. Salvi, R. Zivadinov Endovascular Treatment for Chronic Cerebrospinal Venous Insufficiency in Multiple Sclerosis. A longitudinal pilot study. Study presented at the European Multiple Sclerosis Congress ECTRIMS Düsseldorf, 9-12 September 2009

Bologna, 8 September 2009

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