September 2010

Stellungnahme zu DGN Pressemeldung "Neurologen warnen"

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat am 17. September ein Pressemitteilung zu CCSVI veröffentlicht. Diese Stellungnahme ist unausgewogen und qualifiziert die CCSVI-Theorie zum jetzigen Zeitpunkt als wissenschaftlich nicht haltbar.

Gegenargumentation zur Pressemitteilung der DGN „Neurologen warnen vor gefährlicher Therapie bei Multipler Sklerose“ vom 17.09.2010
Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) hat am 17. September ein Pressemitteilung zur CCSVI-Behandlung und -Theorie veröffentlicht.
Wir möchten auf folgende Punkte hinweisen:

Allgemein bilden die darin getroffenen Aussagen ausschließlich Meinungen ab, die eine einseitige Betrachtungsweise erkennen lassen - auch nach wissenschaftl. Maßstäben. Durch die gewählte Formulierung entsteht jedoch der Eindruck, dass es sich um evidenzbasierte Forschungsergebnisse handelt.
Dem ist nicht so, vielmehr müssen einige Aussagen unter Betrachtung aller verfügbaren Daten und Fakten als objektiv falsch angesehen werden. Im folgenden werden diese Fehler besprochen:

  1. Dass die Theorie von Dr. Zamboni wissenschaftlich nicht haltbar sei, ist derzeit unbewiesen. Bisher gibt es deutliche Hinweise darauf, dass die CCSVI in Zusammenhang mit der MS steht (z.B. Studie der Universität Buffalo). In welcher Art, ist Gegenstand von sieben Studien, die in den USA und Kanada durchgeführt werden, sowie weiteren Untersuchungen.
  2. In der Pressemitteilung ist von Todesfällen durch die Behandlung die Rede. Dies ist faktisch falsch. Es gab einen Todesfall, der zeitlich in Zusammenhang mit der Behandlung steht. Ein kausaler Zusammenhang ist mehr als fraglich; nach Aussagen der Beteiligten (behandelnde Ärzte, Notfallärzte, Angehörige der verstorbenen Person) besteht kein kausaler Zusammenhang. Daneben gab es noch eine schwere Komplikation bei einem anderen Patienten, bei dem ein Stent in das Herz gewandert ist und eine Notoperation notwendig gemacht hat. Der Patient ist aber nicht verstorben. Darüber hinaus sind keine weiteren schweren Komplikationen bekannt geworden, obwohl bereits erheblich mehr als 1000 Behandlungen weltweit durchgeführt wurden und das Thema aufmerksam verfolgt wird. Insbesondere im Zusammenhang mit der Ballon-Angioplastie (ohne Stents) sind bisher keinerlei schwere Komplikationen aufgetreten.
  3. Die Ballon-Angioplastie (PTA) in den Arterien ist eine minimal-invasive Standardprozedur mit geringem Risiko, die heute in beinahe jedem Krankenhaus durchgeführt wird. Bisher gibt es keine Hinweise, dass die PTA in den die CCSVI betreffenden Venen (vena jugularis interna und vena azygos) ein höheres Risiko als in den Arterien birgt. Insofern ist es erheblich desinformierend und äußerst zweifelhaft, von „gefährlichen Eingriffen“ (insb. ohne nähere Ausführung außer dem falschen Hinweis auf Todesfälle!) zu sprechen. Lediglich die Risiken von Stents in Venen sind bisher wenig bekannt, da diese bislang für den Einsatz in Arterien vorgesehen waren. Bei der PTA kann jedoch vielmehr von einer risikoarmen Prozedur gesprochen werden.
  4. Die Aussage, die Behandlung sei sinnlos, unterstellt eine Wirkungslosigkeit der Behandlung. Auch dies ist nicht bewiesen. Bisher gibt es durch Patientenaussagen deutliche Hinweise darauf, dass die Behandlung zumindest bei einem großen Teil der Patienten (in unterschiedlichem Grad) positive Effekte hat, vor allem auch bei denjenigen Patienten, bei denen die immunmodulierenden Therapien versagt haben. Entsprechende, wissenschaftlich seriöse Studien hierzu haben gerade erst begonnen.
  5. Da Prof. Hartung (welcher als Stellvertreter der DGN in der Pressemitteilung zitiert wird) diese Zusammenhänge bekannt sein dürften, insbesondere was das Risiko der Behandlung angeht, kann ihm durch die Formulierung in der Pressemitteilung Panikmache mit Hilfe von falschen Darstellungen unterstellt werden. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass Prof. Hartung aktiv an der Entwicklung weiterer Immuntherapien zur MS beteiligt ist, aktuell insbesondere an dem Wirkstoff Tovaxin® der Firma Opexa, wie eine Pressemitteilung des Unternehmens vom August 2010 mitteilt. Damit soll ihm keine Beeinflussung durch die Pharma­industrie unterstellt werden, sondern lediglich darauf hingewiesen werden, dass Prof. Hartung aufgrund seines fachlichen Hintergrunds möglicherweise nicht in besonderem Maße geeignet ist, neue, außerhalb der Autoimmun-Theorie befindliche Hypothesen hinsichtlich ihrer wissenschaftlichen Stichhaltigkeit zu beurteilen oder das Risiko alternativer vaskulärer Therapien zu bewerten.
    Prof. Hartung deklariert folgende Interessenkonflikte: „Hartung HP und [...] erklären, [...] Honorare für Beratung, Vorträge und Tätigkeit in Steering Committees von folgenden Firmen erhalten zu haben: BayerSchering, BiogenIdec, Bio­MS, Genzyme, MerckSerono, Novartis, Teva, SanofiAventis.“
    Quelle: Nervenarzt, 15. Sept. 2010.

Wir möchten Sie bitten, sich neutral und unvoreingenommen mit dem Thema CCSVI zu befassen, bevor sie Informationen dazu weitergeben oder veröffentlichen. Auf der Rückseite finden Sie eine Einleitung zu dem Thema CCSVI.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Verfasser: Cah (Realname kann beim Verfasser unter cah@csvi-ms.net erfragt werden.)